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Heute möchte ich mich einem großartigen Thema widmen – das immer öfter in Gesprächen aufpoppt. Ich setze mich ja schon sehr lange mit Musik, deren Geschichte und einer Ausgehkultur auseinander und merke, dass alles immer wiederkehrt. Irgendwie sind wir momentan an einem Punkt angelangt wo der Konsument wieder bewusster entscheidet wo die Reise hingehen soll. Auf der einen Seite steht der „Mainstream“ und auf der anderen eine Alternativszene die immer massentauglicher wird, weil die Zeit einfach reif dafür ist neue Wege zu gehen. Ich will mit Sicherheit nicht schlechtreden was im kommerziellen Bereich geschieht allerdings gibt es zwei Schlüsselbegriffe die für die andere Seite sprechen und mehr und mehr zum Thema werden: “Der Spirit und die damit einhergehende Nachhaltigkeit wird immer wichtiger”…

Kapitel I: “Porno WG Party IV” – Vergangenen Mittwoch hatte ich durch Zufall die Ehre auf einer Party zu landen die nicht großartiger sein konnte. Paradoxerweise weil es um absolut gar nichts ging. Die Porno WG oder auch die Naked Djs sind ein Musiker Kollektiv aus Wien die neben X-Jam, Pratersauna und Co ein sehr wichtiger Bestandteil der österreichischen Partykultur sind. Ganz frei nach dem Motto “just fun – nix scheissn” gehen die Jungs aufs Ganze wobei der Projektname Programm ist!


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Einmal im Jahr findet eine eigene WG Party statt, bei der ihre Wohnung – bestehend aus 2 Zimmer, einer Küche, Badezimmer & “Heisl” – komplett ausgeräumt und zu einer Partylocation umfunktioniert wird. Als wir dort angekommen sind hat der abgeklebte Boden schon angedeutet was die Besucher erwartet. Neben der Küche die zur Selbstbedienungsbar umfunktioniert war (frei nach dem Motto “bring your own beer”) fand man im Wohnzimmer ein paar Bierbänke und im Schlafzimmer den Dj Floor mit zwei großen Boxen und einer NEON Dekoration vor. Der große Penis auf der Wand sowie die Outfits der Besucher haben schon suggeriert, dass der Veranstaltungsame Programm ist. “Wir fühlten uns wirklich overdressed in Jeans und T-shirts!”

Soviel zum ersten Eindruck. Die Party selbst war wirklich großartig da alles einfach sehr gemütlich war. Es wurde viel geredet, die Musik war super auch wenns eigentlich total Wurscht war, es durfte überall geraucht werden und das man mit dem Handy keinen Empfang hatte war auch sehr angenehm da man einfach dadurch nicht permanent drauf gesehen hat. Ich hatte generell nicht das Bedürfnis mit der Außenwelt zu kommunizieren und aufgefallen wäre es mir bei anderen auch nicht. Man hat den Spirit in der Luft wirklich stark gefühlt weil es in sich wirklich zu 100% stimmig war. Okay für den Leser da draußen, der nicht dabei war klingt das vielleicht ein wenig „abgefuckt“ aber das war es absolut nicht ganz im Gegenteil. Einzig und allein die lange Schlange vorm einzigen Klo war ein bisschen nervig aber auch hier hat man schnell ins Gespräch gefunden. Absolute Krönung war am Ende die Polizei die zirka 100 Leute aus der Wohnung geschmissen hat. Der folgende Spruch ist zwar schon etwas abgedroschen aber wer hier nicht dabei war hat definitiv was versäumt…

Kapitel II: “Spirit und Nachhaltigkeit” – Also nachhaltig war die Party mit Sicherheit! Vergessen werde ich sie bestimmt nie und geredet wird sowieso darüber. Ein anderes Beispiel: Ein sehr lieber Freund war erst kürzlich in Berlin und hat mir von einer Party berichtet die nicht kurioser sein konnte. Im “Salon – Zur wilden Renate“ gehen die Uhren ein wenig anders. Wir alle sind es gewohnt vorm Club bei der Kassa  anzustehen um dann den einen oder anderen „floor“ zu entdecken wenn denn mehrere Räume vorhanden sind. Hier läuft das alles ganz anders ab. Wenn man die Gesichtkontrolle bestanden hat darf man zur Kasse um sich danach in einem Hof von einem Zinshaus vorzufinden. Was zuerst ins Auge sticht ist eine Schiffschaukel auf der zwei Dutzend erwachsene schaukeln und Spaß haben. Blickt man dann weiters um sich bemerkt man, dass von dem Hof Eingänge in verschiedene Stiegenhäuser führen die wiederum den Weg in Wohnungen freimachen wo neben einer fetten Anlage und einem Deejay auch eine Bar zu finden ist. Wie das ganze rechtlich durchgeht ist mir ein Rätsel und in Wien gänzlich unmöglich. Ich lese des Öfteren, dass sich Wien vor Berlin nicht zu verstecken braucht, aber mal ganz ehrlich das ist eine andere Liga dort und da können wir noch viel lernen.

Auf was ich eigentlich mit diesem Artikel hinaus will, ist wie wichtig es zunehmend wird ein echtes Entertainment zu bieten. Es braucht gar keinen großen „Pi-Pa-Po“ um dem Veranstaltungsbesucher etwas mitzugeben es geht nur um eine Idee. Auch Musik wird immer mehr zu einem wichtigen Thema und gerade hier wird zwar ordentlich auf die Chartplatzierungsmarke gesetzt, aber man nimmt am Ende einfach wenig mit, da einem überall der selbe Einheitsbrei geboten wird. Es hat schon seinen Grund warum der Underground Sound immer mehr und mehr aufblüht wo auch die großen Labels immer mehr in die Richtung einschwenken. Wenn man die Geschichte der Clubkultur betrachtet sieht man das es immer einen Punkt gab wo sich solche Art von Partys durchgesetzt haben (Bsp. Techno Raves in den 90ern, U4 in den 80ern usw). “Ich denke das der Punkt an dem das alles wieder ganz groß kommt erreicht ist…”

Kapitel III: “Die Zukunft” – Ich bin ja selbst schon lange am überlegen eine private Feier zu organisieren. Das Konzept steht soweit, aber ich trau mich noch nicht ganz darüber. In den letzten Jahren war das Motto ja immer “bigger, better, faster…”Allerdings geht es jetzt wieder in die bewusste Richtung. Viele Faktoren spielen hierbei eine Rolle – Der DJ Markt ist momentan mehr als übersättigt, der Gast bekommt viel versprochen was am Ende dann doch ein Flop wird. Viele versuchen sich im „Veranstalten“ scheitern dann jedoch kläglich. Die Leute wollen einfach nicht mehr auf versprochene Floskeln reinfallen. Fazit: Es wird lieber in kleiner Runde mit den Partymachern & dem Deejay des Vertrauens, dessen Musik geliebt wird gefeiert – als eine weitere Nacht sinnlos zu verschwenden. Das ist auch der Grund warum die ganzen Alternativclubs oder Tagesevents wie „Kein Sonntag ohne Techno“ extrem gut funktionieren, da einfach die Musik den Wünschen entspricht und es in sich total stimmig ist.

Ich bin schon sehr gespannt wie sich das in nächster Zeit entwickeln wird und sollte irgendjemand da draußen vorhaben seine Wohnung neu einzurichten und auszumalen dann meld dich doch bitte!

Mai 2014 | #derGrandits
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